Die ungleiche Universität

in Context
Dezember 14, 2023 18:00 - 20:00
Fritz-Reuter-Saal (2.301, 3. OG) im HU-Gebäude am Hegelplatz Dorotheenstr. 24

Buchvorstellung und Diskussion mit Sabine Hark und Johanna Hofbauer, Moderation Rahel Jaeggi

Thema

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt die Universität als Garant des gesellschaftlichen Aufstiegs. Doch dieses gesellschaftspolitische Versprechen ist in die Krise geraten. Heute ermöglichen weder der Zugang zum Hochschulstudium noch ein akademischer Abschluss soziale Mobilität. Die Ungleichheit unter Studierenden besteht an den Universitäten vielmehr fort, ebenso wie die Zugangsbarrieren für Professuren. Zudem stehen die Hochschulen auch wegen der Prekarisierung des akademischen Nachwuchses in der Dauerkritik. Mit Sabine Hark und Johanna Hofbauer diskutiert Rahel Jaeggi welchen Anteil scheinbar meritokratische Instrumente wie quantitative Leistungsmessungen, Wettbewerbs- und Drittmittelorientierung, aber auch Exzellenzprogramme daran haben, dass es den Universitäten nicht gelingt, sich sozial und kulturell zu öffnen. Während zaghafte Inklusionsbestrebungen – wie gendergerechte Sprache und affirmative action – in der Öffentlichkeit oft bemühte Beispiele dafür sind, dass sich an den Universitäten ein linker, woker Mainstream durchgesetzt habe, haben faktisch die jahrzehntelangen Hochschulreformen rassistische, soziale und sexistische Diskriminierungen im universitären Studien- und Karrierealltag keineswegs abgebaut, sondern sie sogar noch weiter verstärkt. Eine Folge davon ist, dass sich Angehörige sozio-ökonomisch ohnehin marginalisierter Gruppen eine wissenschaftliche Karriere heute vielfach nicht leisten können. Was aber macht es mit der Wissenschaft und ihrem Verhältnis zur Gesellschaft, wenn sozial Benachteiligte keine eigene Stimme in den akademischen Debatten erringen können, sondern bestenfalls als Studienobjekt dienen?

Gäste

Sabine Hark ist Professor*in für Soziologie an der TU Berlin und leitet dort das Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die geschlechtersensible Wissenschaftssoziologie und Hochschulforschung, feministische Erkenntnistheorie und Queer Theorie.

Johanna Hofbauer ist Professorin für Soziologie im Department Sozioökonomie am Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsinteressen sind Gender und soziale Ungleichheit, Fragen der Strukturentwicklung von Arbeit und Bedingungen der Chancengleichheit in Arbeitsorganisationen.

Gemeinsam haben Sabine Hark und Johanna Hofbauer 2018 bereits den Band „Vermessene Räume, gespannte Beziehungen: Unternehmerische Universitäten und Geschlechterdynamiken“ (Suhrkamp) herausgegeben. Die Vorstellung ihres neuen Buches „Die ungleiche Universität: Diversität, Exzellenz und Anti-Diskriminierung“ (Passagen Verlag) wird von Rahel Jaeggi, Direktorin des Centre for Social Critique, moderiert.