Workshop – Flucht, Migration, Grenzen

Dezember 9, 2016 3:00 pm - 8:00 pm
Humboldt-Universität zu Berlin, Senatssaal Unter den Linden 6, Berlin

Der Lehrstuhl für Praktische Philosophie und Sozialphilosophie der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltete am 09. Dezember 2016 einen Workshop zum Thema „Flucht, Migration, Grenzen“ mit Jan Brezger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Praktische Philosophie und Didaktik der Philosophie an der HU Berlin, Andreas Cassee, Visiting Fellow der Kollegforschergruppe „Justitia Amplificata“ an der FU Berlin, Christoph Menke , Professor für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt/M., Julia Schulze Wessel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte der TU Dresden.

Die Preisfrage der Gesellschaft für Analytische Philosophie: „Welche und wie viele Flüchtlinge müssen wir aufnehmen?“ scheint mit der Frage die mögliche Antwort schon vorzuformen: Sie setzt die Existenz des Nationalstaats als einer politischen Einheit, mit dem Recht, über Ein- und Ausschluss – und genereller die Bedingungen der Mitgliedschaft – zu
entscheiden, bereits voraus. Nun hat Hannah Arendt in ihrer erschreckend hellsichtigen Betrachtung bereits früh darauf aufmerksam gemacht, dass angesichts des sogenannten Flüchtlingsproblems nicht nur unser moralisches Empfinden, sondern die Grundelemente unseres politischen Bezugssystems ins Wanken geraten sind. Die Fragen von Inklusion und Exklusion, das Verhältnis von Nationalstaat, politischer Gemeinschaft, politischer Zugehörigkeit und Solidarität müssen in diesem Sinne neu diskutiert werden. Auch stellt sich die Frage, wie sinnvoll die Engführung der philosophischen Diskussion auf normative Fragen ist und ob sich diese überwinden lassen, wenn man mit sozialtheoretischen und kulturwissenschaftlichen Ansätzen – von den Critical Border Studies zur soziologischen Migrationsforschung – Positionen mit einbezieht, die die Handlungsfähigkeit der Betroffenen adressieren und die Veränderung des globalen sozioökonomischen Geflechts zum Thema machen. Der Workshop ist ein Versuch, zu einem uns politisch bewegenden Thema auch theoretisch “Grund unter den Füßen” zu bekommen und die verschiedenen Interventionen theoretisch zu vermessen.

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