Mit Daniel Loick, Rahel Jaeggi und Thomas Seibert, moderiert von Charlie Ebert
Topic
Die Linke konnte lange Zeit die Hoffnung auf eine mögliche Revolution darauf bauen, dass es mit der Arbeiterklasse eine gesellschaftliche Gruppe gibt, die sowohl ein Motiv als auch die Mittel für eine radikale soziale Transformation hat. Zwei Jahrhunderte später ist die Frage nach dem „revolutionären Subjekt“ zugleich komplizierter als auch dringender geworden. Der Sozialtheoretiker Mike Davis hat versucht, die Frage proletarischer Handlungsfähigkeit im Zeitalter der drohenden ökologischen Katastrophe zu erneuern: Wer wird die Arche bauen? Ebenso dringend stellt sich heute die Frage nach einer Überwindung staatlicher Gewalt- und Unterdrückungsformen: Wer wird die Lager leeren?
Daniel Loick hat in „Die Überlegenheit der Unterlegenen“ (2024) die These vertreten, dass es gerade die Gegen-Gemeinschaften sind, die nicht in die Institutionen der bürgerlichen Gesellschaft integriert sind, welche die Basis für eine neue Infrastruktur der Fürsorge und somit der Rettung des menschlichen (und nicht-menschlichen) Wohlergehens bilden. Doch sind diese Gegengemeinschaften wirklich so „überlegen“? Was verhindert, dass sie selbst partikularistisch werden? Und wie lassen sich sich im Sinner einer internationalen Solidarität verbinden? Über diese und viele andere Fragen wollen wir an diesem Abend sprechen.
Podiumsgäste
Daniel Loick ist Associate Professor für Politische Philosophie und Sozialphilosophie an der Universität Amsterdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Kultur-, Rechts- und Sozialphilosophie, in der politischen Philosophie, der Soziologie und der politischen Theorie. Von ihm erschienen zuletzt: Juridismus. Konturen einer kritischen Theorie des Rechts (Suhrkamp 2017); A Critique of Sovereignty (Rowman & Littlefield 2018) und Abolitionismus. Ein Reader (herausgegeben mit Vanessa E. Thompson, Suhrkamp, 2022).
Rahel Jaeggi ist Professorin für Praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2018 ist sie Direktorin des Centres for Social Critique in Berlin. Gegenstand ihrer Forschung sind u.a. die Begriffe der Entfremdung, der Kommodifizierung bzw. Verdinglichung, der Ideologie, der Lebensform und der Solidarität. Zuletzt veröffentlichte sie: Fortschritt und Regression (Suhrkamp, 2023).
Thomas Rudhof-Seibert ist Philosoph, Autor und politischer Aktivist. Von 1997 bis 2023 war er Referent für Kultur- und Gesellschaftskritik sowie Südasien und Menschenrechte bei medico international. Er promovierte 1995 mit einer Arbeit zur Geschichte der Existenzphilosophie und des Existenzialismus – bis heute sein bevorzugter Posten des philosophischen, politischen, ethisch-ästhetischen Handelns. Zuletzt erschien von ihm: GWF Hegel. Herrschaft, Knechtschaft, Bewusstsein der Freiheit. Einleitung und Kommentar (Galerie der abseitigen Künste, 2023).