Ein Gespräch mit Oliver Nachtwey (Universität Basel), Rahel Jaeggi (HU Berlin) und Robin Celikates (FU Berlin)
Topic
In Gekränkte Freiheit haben Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey die Bewegungen analysiert, die sich während der Corona-Pandemie gegen die staatlichen Maßnahmen zur Pandemiekontrolle auflehnten. Deren Anhänger:innen kombinierten, so die Einschätzung, libertäre Motive mit autoritären Überzeugungen. In ihrem neuesten Buch Zerstörungslust widmen sich Amlinger und Nachtwey dem aktuellen Aufstieg faschistischer Bewegungen. Sie sehen darin eine destruktive Reaktion auf blockierte Entwicklungs- und Autonomieversprechen, wie sie die sozialdemokratische Ära kennzeichneten. An die Stelle von Teilhabeerwartungen treten Verlustängste, die mit einer Lust an Gewalt und Grausamkeit kompensiert werden. Wie schon in Gekränkte Freiheit greifen Amlinger und Nachtwey dazu auf Analyseinstrumente zurück, die in der ersten Generation der Kritischen Theorie entwickelt wurden. Robin Celikates und Rahel Jaeggi werden mit Oliver Nachtwey diskutieren, ob die Blockadeerfahrungen nicht umfassender sind, als das Scheitern individueller Aufstiegserwartungen, welchen Stellenwert sozialpsychologische Konzepte bei der Analyse faschistischer Bewegungen haben sollten und was gegen den aufkommenden Faschismus helfen könnte.
Das Gespräch findet auf Deutsch statt.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Die Bücher der Podiumsgäste können über einen Büchertisch, der von Suhrkamp und Schwarze Risse organisiert wird, erworben werden.
Speaker
Oliver Nachtwey ist Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel. Seine Forschungsschwerpunkte sind der Wandel der Arbeit und gesellschaftliche Modernisierungsprozesse. Außerdem beschäftigt er sich mit dem Wandel politischer Repräsentation, Protesten und sozialen Bewegungen. Sein Buch „Die Abstiegsgesellschaft“ (2016) wurde 2017 mit dem von der Friedrich-Ebert-Stiftung vergebenen Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet. Auch die das letzte gemeinsame Werk mit Carolin Amlinger, „Getränkte Freiheit“ (2022) wurde auf der Leipziger Buchmesse auf der Shortlist für die Kategorie „Sachbuch und Essayistik“ nominiert. Das zuletzt erschienene „Zerstörungslust“ (2025) erhielt bereits im selben Jahr den Geschwister-Scholl-Preis.