Der Arbeitende Souverän

Juni 16-18, 18-20 Uhr
Freiluftkino Hasenheide Volkspark Hasenheide

Thema Resume

Im Juni 2021 fanden die zweiten Walter Benjamin-Lectures des Humanities and Social Change Centers Berlin statt. Axel Honneth, einer der führenden Sozialphilosophen unserer Zeit, widmete sich an drei Abenden der Frage nach dem Potenzial und der Notwendigkeit einer Demokratisierung der Arbeitsverhältnisse.

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Fast alle Theorien der Demokratie haben einen blinden Fleck: „Das Volk“, der lauthals beschworene Souverän, hat in der Regel gar keine Zeit, seine demokratischen Rechte auszuüben. Die meisten Staatsbürger müssen ihren Lebensunterhalt verdienen, sie gehen tagtäglich viele Stunden lang einer bezahlten – manchmal auch unbezahlten – Arbeit nach und können deshalb an der demokratischen Willensbildung nur bedingt teilnehmen. Die Politik wird als fremd und bedrohlich erfahren; sie ist dem eigenen Leben bestenfalls fern.

In seinen Benjamin-Lectures „Der arbeitende Souverän“ entwickelte Axel Honneth im Detail dieses Problem, vor dem jede Demokratietheorie steht: Demokratische Politik ist nur legitim, wenn sie alle einbezieht. Doch wie lässt sich der Widerspruch zwischen Arbeitsalltag und demokratischem Anspruch lösen? Wir müssen Arbeit neu verteilen und bewerten, lautete die Antwort Honneths. Nur so lässt sich verhindern, dass die Vielen, die die Gesellschaft tragen, von der Demokratie ausgeschlossen bleiben.

Mittwoch, 16.06
Die Arbeit (in) der Demokratie

In dieser ersten Vorlesung der normative Gesichtspunkt gerechtfertigt, unter dem in den folgenden Vorlesungen die existierenden Arbeitsverhältnisse untersucht und kritisiert werden. Die gesellschaftliche Organisation der Arbeit muss daran gemessen werden können, ob sie die bezahlt oder unbezahlt Beschäftigten mit den Fähigkeiten, Ressourcen und Gewohnheiten ausstattet, die erforderlich sind, um als Gleiche am demokratischen Prozess der Willensbildung teilzunehmen.




Kommentar von Ruth Yeoman (University of Oxford)




Donnerstag, 17.06
Die Wirklichkeit der gesellschaftlichen Arbeit

In der zweiten Vorlesung werden drei Stadien der Entwicklung der kapitalistischen Arbeitsverhältnisse vorgestellt. In der Rekonstruktion der typischen Tätigkeitsfelder und Arbeitserfahrungen des „arbeitenden Souveräns“ soll die große Kluft in den Verhaltensanforderungen sichtbar werden, die einerseits von der demokratischen Öffentlichkeit und andererseits von der Arbeitswelt an den „arbeitenden Souverän“ ergehen.




Kommentar von Christine Wimbauer (Humboldt-Universität zu Berlin)




Freitag, 18.06
Eine demokratische Politik der Arbeit (mit einem Kommentar von Andrea Komlosy (Universität Wien))

Die dritte Vorlesung hat zur Aufgabe, die Leitlinien einer Politik zu umreißen, die sich eine schrittweise Demokratisierung der Arbeitsverhältnisse zum Ziel setzt. Es werden Maßnahmen vorgestellt, durch welche die Arbeitsverhältnisse schon heute so zu verbessern wären, dass die Chancen zur gleichberechtigten Mitwirkung an der demokratischen Willensbildung für die Beschäftigten wachsen.




Axel Honneth ist Jack C. Weinstein Professor of the Humanities an der Columbia University und der zweite Walter Benjamin Chair am HSC Center Berlin. Von 2001 bis 2018 leitete er zudem das Frankfurter Institut für Sozialforschung.

Das Werk von Axel Honneth ist eng mit der Frankfurter Tradition der Kritischen Theorie verbunden und hat viel zu deren Erneuerung und fortlaufender Aktualisierung beigetragen. Sozialphilosophische Konzepte wie „Anerkennung“ und „soziale Pathologien“, die erst durch die Arbeiten Honneths für die Analyse der Gegenwart fruchtbar gemacht wurden, prägen bis heute Forschungsprogramme in aller Welt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich in der Sozialphilosophie Honneths begriffliche Schärfe mit kongenial interpretierten Konzepten der Sozialwissenschaften und einer genauen Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen zu einer kritischen Theorie der Zeit verbindet. Aus dieser kritischen Theorie der Zeit entwickelt Honneth normative Ansprüche an die Entwicklung der heutigen Gesellschaft, die das Potenzial der historisch gewordenen Institutionen ernst nehmen.

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