Krise, Kritik und Zukunft des Sozialstaats

Januar 9, 2019
Vierte Welt Adalbertstraße 4, Galerie I. OG

Im Rahmen der Reihe „Critical Theory in Context“ (Lehrstuhl für Sozialphilosophie/Center for Humanities and Social Change, HU Berlin) diskutierten Claus Offe (Professor Emeritus of Political Sociology an der Hertie School of Governance) und Stephan Lessenich (Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München) über Krise, Kritik und Zukunft des Sozialstaates. Die Veranstaltung fand am 09.01.2019 von 18-21 Uhr in der Vierten Welt statt.

Der Sozialstaat ist ein zentrales Element moderner westlicher Gesellschaften. Historisch gesehen bedeutete er einen enormen Fortschritt, denn seine Einführung garantierte den Bürger*innen erstmals Anspruch auf ein Mindestmaß an sozialer Gleichheit und Teilhabe und wirkte dem krassen Pauperismus entgegen. Als eine Vermittlungsinstanz zwischen Demokratie und Kapitalismus trug und trägt der Sozialstaat zur sozialen Integration bei und zum funktionsfähigen Zusammenwirken verschiedener Gesellschaftsbereiche.

Allerdings gilt der Sozialstaat seit längerem schon als „in der Krise“. Seine Institutionen werden durch Prozesse der Globalisierung und die neoliberale Umgestaltung der Gesellschaft ausgehöhlt und in ihrer Geltung infrage gestellt. Aber auch die linke Sozialstaatskritik trägt zur „Krise“ bei, indem sie auf die negativen Folgen des wohlfahrtsstaatlichen Arrangements hinweist: So etwa gehörten zur sozialen Sicherung und Integration immer schon Mechanismen der sozialen Kontrolle, Normierung, Standardisierung und des Ausschlusses bestimmter Teile der Bevölkerung. Ist der Sozialstaat ein historisch ‚überlebtes‘ Konstrukt oder besteht die Notwendigkeit, ihn und seine emanzipatorischen Aspekte zu verteidigen und dabei neu zu denken?

Krise, Kritik und Zukunft des Sozialstaats